Im Blick

Kunstwerke aus der Sammlung

Ab Jahresbeginn präsentiert das Kunstmuseum Temporär in loser Folge Kunstwerke der Städtischen Sammlung, der Sammlung Themel und der Sammlung Ziegler, die während der Museumssanierung eingelagert sind als Newsletter. Prominente Gemälde, Schätze der grafischen Sammlung, aber auch selten gezeigte Exponate werden vorgestellt und geben einen Vorgeschmack auf die facettenreichen Bestände des Kunstmuseums und die Wiedereröffnung der Alten Post.

Den Auftakt macht zum Valentinstag eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Karl Heinz Hargesheimer, genannt Chargesheimer: Wie die im Moment eingefrorene Szenen aus einem Liebesfilm, hat der Kölner Fotograf das sich küssende Paar von der anderen Seite der Theke einer Kneipe aus herangezoomt und in den Fokus genommen. Typische Hell-Dunkel-Kontraste und atmosphärische Unschärfen am Rand verstärken die voyeuristisch-angehauchte Stimmung. Die Aufnahme stammt aus dem Bildband „Cologne intime“ (1957), mit dem Chargesheimer bekannt wurde. Gemeinsam mit anderen ausgewählten Motiven wurde es 2008 als Edition für die Griffelkunst-Vereinigung Hamburg herausgegeben.

Chargesheimer, 1924 in Köln geboren, zählt neben August Sander, Erich Salomon und Otto Steinert zu den großen deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Studium an der Kölner Werkschule war er ab 1947 freiberuflich als Fotograf tätig, hatte von 1951 bis 1956 einen Lehrauftrag an der Bild- und Klang Fotoschule in Düsseldorf und widmete sich ab den 1960er-Jahren intensiv der Theaterarbeit als Regisseur und Bühnenbildner. Die schillernde Persönlichkeit des „Bohemien aus Köln“ hatte auch eine tragische Seite: Chargesheimer nahm sich in der Silvesternacht 1971 das Leben. Sein fotografischer Nachlass wird seit 1978 im Museum Ludwig in Köln aufbewahrt.

Neben den Porträts, Alltagsszenen und Straßenbildern seiner Heimatstadt, war er mit seiner Linhof-Kamera auch im Ruhrgebiet unterwegs und machte dokumentarische Bestandsaufnahmen der in der Nachkriegszeit industriell-aufstrebenden Region, aber auch der dortigen schwierigen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen. „Wer ein guter Fotograf sein will, muss mehr sehen als die anderen und anders sehen als die anderen“, lautete seine Devise. Als Meister der visuellen Abfolge von autonomen Bildern veröffentlichte er 12 Fotobücher zu Rhein und Ruhr, teilweise mit kritischen Texten des befreundeten Schriftstellers Heinrich Böll, mit dem er oft gemeinsam auf Fotoreportage war.

Hier können sie den Newsletter abonnieren.











Kontakt:

Anja Bauer-Kersken
0208 455 4178