Ruhrpreis

Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft
der Stadt Mülheim an der Ruhr für das Jahr 2018
- Sponsor: Sparkasse Mülheim an der Ruhr -


Der Kulturausschuss hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung am 26. September 2018 auf Empfehlung des Vorbereitungsgremiums einstimmig beschlossen, den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr für das Jahr 2018 - Sponsor: Sparkasse Mülheim an der Ruhr - an

Prof. Dr. Ulrich Herbert

und als Förderpreis an

Adem Köstereli und die Gruppe RUHRORTER

zu vergeben.

Der Hauptpreis ist mit 3.000 Euro, der Förderpreis mit 2.500 Euro dotiert.

Die Verleihung des Ruhrpreises für das Jahr 2018 fand am 2. Dezember 2018 um 11:00 Uhr in der Kundenhalle der Sparkasse Mülheim an der Ruhr am Berliner Platz statt.

Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim an der Ruhr für das Jahr 2018 - Sponsor: Sparkasse Mülheim an der Ruhr am 2. Dezember 2018. (von links) Oberbürgermeister Ulrich Scholten, Prof. Dr. Ulrich Herbert, Martin Weck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, Adem Köstereli.

Foto: Walter Schernstein

Die Entscheidung ist wie folgt begründet worden:

Prof. Dr. Ulrich Herbert

Der Ruhrpreis für Wissenschaft und Kunst wird Prof. Dr. Ulrich Herbert in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Erforschung, Darstellung und Interpretation der deutschen Geschichte verliehen.

Der als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg tätige und international renommierte Historiker hat zahlreiche Publikationen vorgelegt, vor allem zur Geschichte des Nationalsozialismus und der Migrationsgeschichte im 20. Jahrhundert. Seine 1986 erstellte Dissertation zum Thema „Fremdarbeiter“, die spezifische, ideologisch bedingte Verschränkung von Sozialpolitik und Rassismus herausstellt, wird bei der Behandlung der Frage nach Entschädigung von ehemaligen Zwangsarbeitern regelmäßig herangezogen. Hervorzuheben ist auch seine Habilitationsschrift über den Nationalsozialisten Werner Best unter dem Titel "Best: Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft" aus dem Jahr 1992. Sie gilt als exemplarische Studie über die Rolle der akademisch gebildeten NS-Eliten im Herrschaftssystem des Nationalsozialismus und den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Seit über 10 Jahren gibt er in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München die Edition „Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa“ heraus, die einen umfassenden Überblick über die Quellen und Dokumente des Holocaust bietet. Nicht zuletzt ist er auch Mitherausgeber der Zeitschrift "Journal for Modern European History" und mehrerer Buchreihen, darunter der vom Beck-Verlag herausgegebenen Reihe "Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert". Im Jahr 2014 erschien hier der von ihm verfasste Band "Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert".

Prof. Dr. Ulrich Herbert war von 2001 bis 2007 Mitglied des Wissenschaftsrats, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, und leitete dort von 2005 bis 2007 die Arbeitsgruppe „Geisteswissenschaften“, deren „Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland“ die Diskussion über die Lage dieser Fächergruppe nachhaltig bestimmt hat.


Adem Köstereli und die Gruppe RUHRORTER

Der Förderpreis geht an Adem Köstereli und die Gruppe RUHRORTER: (von links) Adem Köstereli, Raghad Al-Khatib, Wanja van Suntum, Elisar Issa.

Foto: Walter Schernstein

Flucht und Migration sind seit einigen Jahren zentrale gesellschaftliche, kulturelle und politische Streitpunkte. Adem Köstereli ist mit dieser Problematik durch seine eigene Biografie zutiefst vertraut. Im Jahr 2012 gründete er nach mehrjähriger künstlerischer Arbeit mit marginalisierten Jugendlichen eine der innovativsten und überregional wahrgenommene Initiativen: das Projekt RUHRORTER. Hauptanliegen des kontinuierlich angelegten, mehrdimensionalen Theater- und Kunstprojektes ist, die institutionelle und soziale Ausgrenzung von Geflüchteten ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu rücken. Im Rahmen von RUHRORTER entwickeln unter seiner Leitung geflohene Menschen, auf mehrmonatigen Probenprozessen aufbauend, kollektiv eigene Rollen, Erzählungen, Bühnenbilder, Kostüme und sogar Stücktexte. Dabei entsprechen sie bewusst nicht der Erwartung, Menschen von ihrem Leid erzählen zu lassen. Denn aus den Erfahrungen und Wünschen der Beteiligten werden universelle „Erzählungen“ entwickelt, die Themen wie Verantwortung, zwischenmenschliche Kommunikation, Träume, Familie und Sprache aufgreifen. So entstehen in den Stücken von RUHRORTER nachhaltige Perspektiven, die Geflüchtete nicht als Randfiguren der Gesellschaft verstehen, sondern als selbstbestimmte Subjekte und als neue Bürgerinnen und Bürger im Ruhrgebiet.

Jedes der jährlich an wechselnden Orten im Stadtraum stattfindenden Projekte wird durch eine intensive Archivrecherche und Klang- sowie Videoinstallationen begleitet. So sind über sechs Jahre hinweg neben den innovativen Theaterstücken ortsspezifische Installationen, Radioprojekte, Archivforschungen, Hörstücke und wissenschaftliche Salons sowie zahlreiche Veröffentlichungen entstanden und das Element der aktiven Forschung in die Kunstprojekte RUHRORTER erfolgreich einbezogen worden.

Die Zuerkennung des Preises soll Anerkennung der bisherigen Leistungen sein, gleichermaßen aber auch Ermutigung, weiterhin unkonventionelle Wege zu begehen.

Dem Gremium zur Vorbereitung der Vergabe des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft gehörten an:



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