ZEITZEICHEN 5. Juni 1899: Einweihung des ersten Schülerbootshauses

Die Anfänge des Schülerruderns in Mülheim an der Ruhr gehen auf das Jahr 1898 zurück, als auf Initiative von Dr. Georg Zietschmann, Direktor am hiesigen Gymnasium, am 16. März ein Schülerruderverein gegründet und mit Hilfe von großzügigen Spenden aus der Mülheimer Bürgerschaft ein Bootsbestand von 7 Ruderbooten erworben wurde. Zu den frühen Förderern des jungen Vereins zählte auch der lokale Brauereibesitzer Fuglsang, der den Schülern eine zum Kahlenbergrestaurant gehörende Halle für die vorläufige Lagerung der Boote zur Verfügung stellte. Unter der Anleitung eines erfahrenen Ruderers fanden dort die ersten Einweisungen und Lehrgänge für Schüler und Lehrer des Gymnasiums statt. In seinem ersten Jahresbericht formulierte der Verein seine Ziele wie folgt:

„Wir werden mit aller Entschiedenheit dem jungen Unternehmen alle sportlichen Auswüchse fernhalten. Wir wollen nichts anderes als schulgemäßes Tourenrudern, eine der besten turnerischen Übungen, die in gleicher Weise die Muskeln stählt und den Willen kräftigt, wie sie an strenge Zucht und unbedingten Gehorsam gewöhnt“.

Nicht Ruderwettkämpfe à la Oxford und Cambridge sollten also im Vordergrund stehen, sondern das damals auch bei anderen deutschen Vereinen angesagte Wanderrudern. Pionier und Vorbild dieser Bewegung war der aus Bromberg stammende Lehrer und „Ruderprofessor“ Bernhard Kuhse.

Zur Errichtung eines Bootshauses stellte die Stadt Mülheim dem Schülerruderverein noch im Gründungsjahr 1898 ein Baugrundstück an der Kahlenbergschleuse zur Verfügung. Dort entstand innerhalb weniger Monate unter der Planung und Bauleitung von Stadtbaumeister Linnemann ein Fachwerkbau, dessen geräumige Halle Platz für 12 Ruderboote bot. Im oberen Stockwerk waren zwei Umkleideräume untergebracht – ein größerer für die Schüler, ein kleinerer für die Lehrer. Beide waren fortschrittlich ausgestattet mit Duschen („Brauseeinrichtungen“), wie die Chroniken des Vereins betonen.

Am 5. Juni 1899 wurde das Bootshaus „Am Wellenbad“ seiner Bestimmung übergeben. Im Anschluss an die Einweihungsfeier fand ein „Anrudern“ durch die Schüler statt.

Das mit Hilfe der Stadt Mülheim errichtete erste Bootshaus leistete über viele Jahre treue Dienste, musste jedoch 1923 der Planung des Kahlenberg-Kraftwerks weichen. Nach einigen unbefriedigenden Provisorien fanden die Schülerruderer – seit der Teilung des Gymnasiums 1911 in zwei Anstalten nunmehr zwei Vereine – im Mai 1927 in einem von der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft finanzierten Bau auf der Schleuseninsel (heute: Haus Ruhrnatur) eine neue Heimat. Nach einer kriegsbedingten Pause des Ruderbetriebs zwischen 1939 und 1945 musste man nach Kriegsende feststellen, dass das Bootshaus von der Stadtverwaltung mittlerweile anderweitig verwendet wurde und eine Rückgabe nicht zur Diskussion stand. Es sollte noch einige Zeit vergehen, bis die Stadt im Oktober 1956 mit dem Neubau „Am Weißen Turm“ den beiden Schülerrudervereinen wieder ein angemessenes Domizil anbieten konnte. Dieses Bootshaus wird bis heute sowohl vom Schülerruderverein der Karl-Ziegler-Schule als auch von der Ruderriege der Otto-Pankok-Schule intensiv genutzt.











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